Noch Luft nach mehr ...

Die Wahlbeteiligung zur Hamburger Bürgerschaft hat mich überrascht. Sie ist zwar um wenige

Prozentpunkte gegenüber 2015 gestiegen, aber nicht mal zwei Drittel der Wahlberechtigten haben gewählt. Das bedeutet, dass bei 1,3 Millionen Wahlberechtigten rund 478.000 Menschen kein Interesse an ihrer Stadt, ihrem Umfeld, ihrem Leben, ihrer Zukunft, ... haben. Nur als Vergleich – 478.000 Menschen, das ist fast die Einwohnerzahl von Duisburg (498.590) (statista, 2020).

 

Auch wenn ich mir viel Mühe gebe, mich anstrenge und versuche, wählen aus einem anderen

Blickwinkel zu sehen, verstehe ich folgende Aussagen von Nichtwählern nur bedingt:

 

„Die da oben machen ja eh, was sie wollen.“

„Die da oben“ werden/wurden gewählt von jedem, der zur Wahl geht, bzw. ging. Und auch fast jeder

Bundesbürger hat die Möglichkeit einer von „denen da oben“ zu sein bzw. zu werden.

Meines Erachtens könnte es durchaus sein, dass „die da oben“ irgendwann mal machen, was sie wollen.

Möglicherweise genau dann, wenn die Wahlbeteiligung von „denen da unten“ immer weiter sinkt und vielleicht gegen Null geht. Einen „Vorgesetzten“ durch „die da oben“ zu bekommen, der nur seine eigenen Interessen vertritt, weil die überwiegende Anzahl der Wähler („die da unten“) kein Interesse am Wählen zeigen, das macht mir Angst.

 

„Ich weiß gar nicht, wen ich wählen soll.“

Meine Antwort ist ... informieren!

Das kann man wunderbar in den Sozialen Medien, auf den Seiten von Bund und Ländern, in Gesprächen mit anderen, an Parteiinformationsständen (z. B. auf Wochenmärkten), auf den Seiten der einzelnen Parteien, ..

 

Als Antwort bekomme ich dann gern mal

„Dazu habe ich keine Zeit.“

Wie wäre es mal mit Prioritäten setzen? Es passiert i. d. R. täglich, dass jeder von uns aufsteht, evtl. frühstückt, zur Arbeit geht, einen Arztbesuch hat, ... und wir wäre es jetzt mal, kein Bild vom Kaffee oder den langweiligen Blick aus dem Wartezimmer zu posten, sondern sich (ein paar Minuten) mit der eigenen Zukunft zu beschäftigen?

Also für was steht welche Partei?

Welcher Politiker ist in meinem Ort aktiv? ...

 

„Die Inhalte der Parteien gefallen mir nicht.“

Allen Personen, die diesen Satz sagen, gratuliere ich schon mal. Sie haben den ersten Schritt gewagt, und Wahl- und/oder Parteiprogramme gelesen.

Meine Antwort dazu:

  • Hintern runter vom Sofa
  • Interessen formulieren
  • Gleichgesinnte suchen und
  • eigene Partei gründen.

Ja, das geht. Fast jeder von uns kann eine Partei gründen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite https://www.bundeswahlleiter.de/parteien/parteigruendung.html (25.02.2020).

 

Und wenn die Informations-E-Mails von den Parteien, die Ideen von potentiellen Parteigründern

usw. bei einem eintreffen, dann ist die Aussage von Tim Bendsko, der „nur noch kurz die Welt retten“  muss (Songtexte, 2011), auf dem besten Weg, sinnvoll umgesetzt zu werden.

 

„Wählen, das ist viel zu kompliziert.“

Die meisten von uns, haben in der Schule eine Fremdsprache gelernt, erinnern sich noch an die

Berechnung von Vierecken, mussten in Geschichte manche Zahl auswendig lernen …  das ist alles viel schwerer als wählen zu gehen.

Übrigens, Hilfe zum/beim Wählen kann man auch im Wahllokal erhalten.

 

Einfach malausprobieren. Es lohnt sich!

 

Und eins noch zum Schluss, wer nicht wählen geht, der sollte auch in den nächsten vier oder fünf

Jahren keine Kommentare von sich geben.

Würde die Regierung also beschließen, dass Kaffee zum Mitnehmen abgeschafft wird, weil so das Pappbecheraufkommen vermieden werden soll, dann … psst...

 

Meine Frage zum Schluss:

Warum leben 35 Prozent der Wahlberechtigten keine Demokratie?

 

Anmerkungen

Selbstverständlich gelten meine Aussagen über die 478.000 Wahlberechtigten nicht für Kranke, plötzlich Verhinderte (z. B. durch Todesfall in der Familie) und andere Einzelfälle.

Es wurde aus Gründen der Einfachheit ausschließlich die männliche Form verwendet. Es sind immer alle drei Geschlechter gemeint.

 

 

Quellen

Songtexte. https://www.songtexte.de/songtexte/tim-bendzko-nur-noch-kurz-die-welt-retten-10522280.html (24.02.2020)

Statista. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1353/umfrage/einwohnerzahlen-der-grossstaedte-deutschlands/(25.02.2020)