Ich hab' Rücken ...

So ein paar Symptome spüre ich schon. Allerdings versuche ich sie zu ignorieren. Manche Menschen gehen gleich zum Arzt, wenn sie diese Beschwerden haben, ich nicht. Der ein oder andere erzählt mir dann von seinem Arztbesuch, wie er ablief, welche Diagnose und Behandlung er bekommen hat. Meine Schmerzen werden dann oft noch größer. Komisch – oder? Mehr dazu später.

 

Ich hab‘ wohl Rücken, das sagt man heut so. Zumindest höre und lese ich diesen merkwürdigen Satz ab und zu. Die Ursache scheint häufig zu wenig Bewegung, manchmal aber auch die „falsche“ Bewegung zu sein. Bei mir ist das wohl eine Kombination. Ich bewege mich sehr viel und seit einiger Zeit scheinbar falsch. Mal schüttele ich wahrscheinlich zu stark meinen Kopf oder drehe mich ungeschickt um, damit ich alles sehen und hören kann. Aber was soll ich denn machen, ich finde es einfach nicht wieder. Ab und zu sehe und bemerke ich allerdings kleine Teile, aber das ist zu wenig. Ich möchte es vollständig.

 

Mittlerweile habe ich alle Ideen ausgeschöpft. Was soll ich bloß machen? Ich weiß nicht, wann es verloren ging. Vielleicht lief es auch schleichend ab, dann merkt man den Verlust natürlich nicht so einfach. Auf alle Fälle war es irgendwann fast weg. Warum – das weiß ich bis heute nicht. Ich sage fast, weil ich es manchmal noch sehe.

Aber schleichend, fast weg und manchmal sind mir einfach zu wenig. Ich möchte, dass es wieder in

meiner Nähe ist. Deshalb habe mir schon Folgendes ausgedacht: Ich nehme einfach das, was ich sehe und füge den Rest (1 Teil von ca. 7 Milliarden) von mir dazu, rühre das Ganze um und warte auf Vermehrung. Und dann ist es vielleicht irgendwann wieder da, ich meine so richtig – das Benehmen.

 

Ich freue mich so wahnsinnig auf den Tag.

 

Denn ab dem Tag

  • wird keiner mehr sinnlos auf den Straßen angehupt, z. B. Senioren auf dem Zebrastreifen, Autofahrer, die bei Dunkelgelb anhalten
  • bekommt man keine Rucksäcke mehr ins Gesicht, wenn man den ÖPNV nutzt, weil alle Fahrgäste sie beim Einsteigen freiwillig in die Hand nehmen
  • werden E-Mail kurzfristig, engagiert und mit qualifiziertem Inhalt beantwortet, d. h. man muss nicht erst mahnen
  • gibt es die Worte Bitte und Danke wieder – immer und überall
  • hebt man Dinge wieder auf, die herunterfallen und tritt nicht noch darauf, d. h. man wertschätzt die Ware wieder
  • sagen Verkäufer nicht mehr zum Kunden „Das finden Sie dahinten.“, sondern begleiten den Kunden (ist übrigens der Gehaltzahler) zum Produkt
  • zeigen Kunden Verständnis für die Verkäufer und starten nicht gleich in überheblichen Meckermodus
  • behandelt man Servicepersonal so, wie man selber behandelt werden möchte - mit Respekt!
  • behandeln Ärzte ihre Patienten mit Zeit, ohne finanziellen Hintergedanken und auf Augenhöhe. Damit meine ich, dass nicht jeder Patient Arzt sein will, auch wenn er es könnte. Also medizinischer Weißkittel trifft reinigenden Orangeoverall
  • und und und

 

Und wenn ich nicht unter jedem Schrank, hinter jeder Tür, ... das Benehmen suchen muss, dann hab‘ ich auch keinen Rücken mehr.

 

Wie wäre das schön!

 

Meine Frage zum Schluss:

Wer hilft mir, bei der Beantwortung der Frage:

Warum ging das Benehmen so oft verloren?