Niesen ist nicht gleich niesen

Ich bin schon ziemlich verwundert – worüber, das lesen Sie im Folgenden.

 

Seit Jahren beobachte und erlebe ich

  • wie in Bus und Bahn gehustet und geniest wird. Äußerst selten wird sich dabei an die Etikette beim Husten und Niesen gehalten. Einfach nur alles raus aus Nase und Mund, heißt es wohl für so manchen Fahrgast.
  • wie in Supermärkten die Litschis schon mal zu Glitschis werden.
  • wie einige Teilnehmer in meinem Unterricht sich gern aus Nase und Mund erleichtern und das in einer Art, die sehr zu wünschen übrig lässt. Ich frage mich dann immer, bin ich als Dozentin dazu befugt, Teilnehmer auf ihr Verhalten hinzuweisen? Mehrfach haben mich allerdings andere Teilnehmer angesprochen und mich gebeten, den Kranken nach Hause zu schicken. Als Grund nannten sie die Angst, selbst zu erkranken und so den Unterrichtsstoff zu versäumen. Und manchmal denkt auch einer an mich. Als Dozent fliegt einem vieles entgegen ...

Weder in Bus und Bahn, noch in Supermärkten und auch nicht in den Bereichen, in denen

ich als Dozentin tätig bin, wurde in den letzten Jahren intensiv darüber informiert, sich die Hände regelmäßig zu waschen und/oder die Etikette beim Husten und Niesen einzuhalten.

 

Ich frage mich nicht erst seit heute, ob das nie so wichtig war?

 

Aussagen wie:

„Erkältet ist doch jeder mal?“

„Die letzte Grippe habe ich auch überlebt.“

sind üblich.

 

Ja, die beiden Aussagen sind richtig.

Aber wer möchte schon gern erkältet sein?

Mindestens eine Woche nicht das machen, was man machen möchte/machen müsste. Und für alle

Vernünftigen, die zumindest nicht ihre Kollegen, andere Fahrgäste usw. anstecken und aus diesem Grund zu Hause bleiben, wer von denen möchte schon gern im häuslichen Umfeld, seine Eltern, Kinder oder gar die vorerkrankte Oma anstecken?

Von dem volkswirtschaftlichen Schaden spreche ich hier gar nicht.

Und auf eine Grippe können wohl auch die meisten Menschen verzichten.

 

Wir können mit einem grippalen Infekt, Grippe, Norovirus usw.  viele Krankenhäuser betreten, ohne uns

zu desinfizieren.

Meistens sieht man nur den Hinweis

"Vor und nach dem Besuch - bitte die Hände desinfizieren".

 

Aber auch hier beobachte ich, wie viele den Desinfektionsspender „übersehen“.

Ich finde das erschreckend. Erschreckend unvernünftig. Erschreckend leichtsinnig.

 

Und dann kam Sars-CoV-2 und plötzlich ist alles anders.

  • Im Fernsehen wird über das richtige Händewaschen gesprochen. Sollte das nicht jeder von uns seit Kita-Zeiten beherrschen?
  • Wir sollen uns nicht die Hände zur Begrüßung reichen.
  • Nicht mit Symptomen einfach zum Arzt gehen. Hätten viele das in den letzten Jahren gemacht, mir und vielen anderen, wäre manche Erkältung erspart geblieben.
  • Es werden Hotlines eingerichtet.
  • Und so weiter …

Im Moment gibt es nach meiner Information (Stand: 4. März 2020) noch keine Todesfälle oder schwere

Verläufe von Sars-CoV-2 in Deutschland. 

 

Übrigens, an einer Grippe sterben in Deutschland jedes Jahr tausende Menschen. Einer Erkältung,

die nicht richtig auskuriert wird, kann eine Herzmuskelentzündung folgen. Diese kann zum Tode führen.

 

Und noch was: Der Arbeitgeber kann zur Vermeidung einer Epidemieausbreitung (z. B. Sars-CoV-2) u. U. sein Weisungsrecht anwenden und seine Mitarbeiter zum Händewaschen anhalten.

 

Meine Fragen zum Schluss:

Wieso gibt es das Weisungsrecht zum Händewaschen nur bei Sars-CoV-2 und anderen Epidemien möglich?

Würde das, in möglicherweise anderer Form, nicht in der Erkältungs- und Grippezeit immer sinnvoll sein?

Weniger kranke Arbeitnehmer, bedeuten weniger Arbeitsausfall/Produktionsausfall und somit geringere Mehrbelastung der gesunden Arbeitnehmer. 

Ich denke, hier gilt es die Freiheit des einzelnen Arbeitnehmers gegen den Produktionsausfall des Unternehmens und der Gesundheit der Belegschaft abzuwägen.

 

Bleiben oder werden Sie gesund!