Rücksicht, Vorsicht, Respekt kann Leben retten

„Das wurde aber auch Zeit, wir brauchen endlich wieder Normalität.“ 

 

„Wie lange sollen wir denn noch auf alles verzichten?“

 

„Ich muss dringend mal wieder raus. Mal ins Café oder ins Restaurant.“

 

„Wir waren so lange eingesperrt, da mussten wir einfach mal ans Meer fahren.“

 

„Immer mit Maske herumlaufen, da erstickt man ja.“

 

„Deutschlandmuss dafür sorgen, dass ich in Freiheit leben kann. Auf meine Gesundheit kann ich selber aufpassen.“

 

„Im Urlaub will ich frei sein."

 

 

„Ich bin jung, ich bekomme Corona schon nicht.“

 

Das sind sieben Aussagen, die ich so oder so ähnlich in der letzten Zeit wiederholt in den sozialen Netzwerken, im Radio und Fernsehen gehört habe.

Obwohl sich alle Aussagen auf die Corona Situation beziehen, sind meine Gedanken dazu nicht explizit auf diesen Virus gerichtet, sondern auf Ausnahmesituationen, die uns (Bewohner der Erde) jederzeit in ganz unterschiedlicher Härte und Ausmaßes treffen können. Nur weil wir hier in Deutschland seit 75 Jahren in Frieden (* hierzu später noch eine Anmerkung) leben, haben wir kein Freifahrtschein, dass dieses immer so weiter gehen wird.

 

 

„Das wurde aber auch Zeit, wir brauchen endlich wieder Normalität.“

 

Corona ist bei den meisten Deutschen wahrscheinlich erst Ende Februar, Anfang März in voller Gänze ins Bewusstsein gerückt. Vorher war das ein Virus, der medial so ähnlich wie eine Grippe oder eine Erkältung kommuniziert wurde. Am 11. März 2020 wurde von der WHO eine Pandemie ausgerufen. Auf eine weitere Nennung der Chronologie wird hier verzichtet. Spätestens ab diesem Datum gab es täglich

neue Veränderungen, bis es zum leichten Lockdown in Deutschland kam, der in einigen Bereichen relativ kurz war.

Für viele Menschen änderte sich das Leben. Einige hatten ab sofort extrem viel Arbeit (Pflege, Kranken-häuser), andere mussten oder durften von zu Hause arbeiten und wieder andere hatten nichts zu tun (Restaurants ...

 

Aber was ist normal?

Normal wird gern definiert als dass, was die meisten Menschen machen. Der Durchschnitt wird auch gern als normal bezeichnet?

Aber wie lange dauert ein Veränderungs- und Gewöhnungsprozess, damit neue und notwendige Verhaltensweisen als normal bezeichnet werden?

 

Denken wir an den Blutdruck.

Was ist normaler Blutdruck? 120/80?

Oder vielleicht doch nicht?

Was normales Essen?

Viel Fleisch, Kartoffeln und etwas Gemüse als Beilage?

Oder vielleicht doch nicht?

Ist es normal regelmäßig die Eltern/Großeltern zu besuchen?

Oder stammt das nur aus der verklärten Vergangenheit?

 

Zurück in die Normalität bedeutet für viele, so zu leben, wie sie vor Corona gelebthaben. Ohne große Beschränkungen. Mit vollen Supermärkten, Freizeitgestaltung nach eigenen Wünschen und so weiter.

 

Viele sprechen jetzt von der neuen Normalität.

Sind wir bereit für die neue Normalität?

Können wir es uns leisten in allen gesellschaftlichen und volkwirtschaftlichen Bereichen zurück in die alte Normalität zu gehen?

Wollen wir das überhaupt?

Ist die Bevölkerung dazu bereit, sich zu verändern?

Und ist die Veränderung auch beständig?

Oder wird in einem relativ kurzen Zeitraum, die alte Normalität wieder gewinnen?

Ist die veränderte Situation überhaupt bei allen Bürgern angekommen?

 

Viele offene Fragen …

 

 

„Wie lange sollen wir denn noch auf alles verzichten?“

 

Jeder sollte hier mal ganz ehrlich sein.

Auf was musste jeder von uns verzichten?

Und was ist alles?

Und aus welcher Situation heraus, wurde das Wort alles verwendet?

Wir konnten und/oder durften z. B. in der Hochphase der Pandemie (März bis Mitte Mai)

  • auf die teuren Getränke im Restaurant verzichten, weil wir unser Essen abgeholt und zu Hause gegessen haben
  • so oft wie wir wollten unser Auto waschen und dabei an einen Wasserfall in den Bergen denken
  • jeden Tag in den Supermarkt gehen und fanden fast immer alle Produkte dort vor
  • unseren Lieblingsbäcker besuchen und die leckeren Brötchen kaufen
  • den ganzen Tag mit dem Traumpartner zusammen sein oder in aller Ruhe im Internet einen suchen
  • miterleben, wie das eigene Kind als erste Worte „Mama“ und „Papa“ sagen konnten und nicht ein Wort, was es in der Kita aufgeschnappt hat
  • im Homeoffice arbeiten und mussten den nach Schweiß riechenden Bürokollegen nicht in der Nähe zu haben
  • guten Kaffee oder edlen Tee trinken, statt das Gebräu von den Kollegen
  • endlich mal in Ruhe unsere (älteren) Verwandten anrufen
  • die blödesten Serien im Fernsehen mal ohne schlechtes Gewissen schauen
  • zu Hause trainieren, ohne sich aufhübschen zu müssen
  • an die Luft gehen und mit dem Rad fahren
  • und so weiter

Mich erschreckt es, wenn Menschen bei zwei oder drei Monaten etwas anderem Leben, von verzichten sprechen. Manchmal hörten/hören sich diese Menschen an, als ob sie körperlich leiden mussten/müssen.

M. E. haben diese Menschen noch nie richtiges Leid erfahren, oder mal mit anderen Menschen (Kriegsgeneration, Flüchtlinge) über Schmerz, Verzicht, Leid gesprochen.

Leider! 

Kein Politiker in Deutschland hat sich diesen Virus ausgedacht, gezüchtet oder in Umlauf gebracht.

 

 

„Ich muss dringend mal wieder raus. Mal ins Café oder ins Restaurant.“

 

Seien wir mal ganz ehrlich, es ist nicht zwingend notwendig ins Café oder Restaurant zu gehen?

Auch wenn es für viele schön ist, ihren Latte im Café zu trinken oder ihre Pasta al Pomodoro beim Stammitaliener zu essen, ist es purer Luxus und nicht systemrelevant. Alle Dinge, die es dort zu genießen gibt, sind auch in fast jedem Supermarkt und Co. zu erhalten.

Häufig sogar in viel besserer Qualität und mit Herstellerangaben.

Und wer kein Koch- oder/und Backbuch hat, der kann unendlich viele Rezepte im Internet finden. Sogar kostenlos.

 

Auf der einen Seite, haben viele Menschen (angeblich) weniger Geld, durch die wirtschaftliche Lage, auf der anderen Seite müssen sie unbedingt ins Café.

Wahrscheinlich sind das nicht ein und dieselbe Personen, aber raus aus den vier Wänden konnten wir fast alle.

Natürlich verstehe ich auch die Gastronomiebesitzer, die auf jeden Cent angewiesen sind. Aber kein Politiker oder Verantwortliche will die Gastronomen ärgern oder in die Insolvenz bringen. Aber der Schutz der Bevölkerung geht vor. Die eisgekühlte Cola muss dann eben mal warten.

Vielleicht sollte in der Gasto-Szeme mal die Preiskalkulation überdacht werden. Genauso wie sich die Konsumenten mal überlegen müssen, wie teuer z. B. ein Kaffee sein müsste, damit der Cafébesitzer kostendeckend arbeiten, einen Überschuss erwirtschaften und Rücklagen bilden kann, die ihm helfen, Krisen zu überstehen. Hier sind m. E. alle Seiten gefragt.

Muss man sich immer alles leisten können, oder ist es nicht viel schöner, sich auf einen Restaurantbesuch zu freuen?

Wie viele Kaffeebecher werden wirklich ausgetrunken?

 

 

„Wir waren so lange eingesperrt, da mussten wir einfach mal ans Meer fahren."

 

Ich liebe diesen Satz.

Wir waren nie eingesperrt.

Manch einer musste vielleicht zwei Wochen in Quarantäne verbringen. Das ist übrigens genau die Zeit, die eine Erkältung bei vielen dauert. Und mit einer Erkältung sollte man sich auch nicht unnötig unter die Menschen begeben und diese anstecken. Über die gesundheitlichen Schäden der Angesteckten und den volkswirtschaftlichen Schäden durch Krankschreibungen, werde ich hier nicht weiter sprechen. Statt ans Meer zu fahren, könnte man auch einfach mal vor die Tür gehen. Ja, richtig – einfach Schuhe und Jacke an und dann Tür auf und gehen. Der Weg (gehen) ist das Ziel.

 

Es sind in der Hochphase der Pandemie, mehr Menschen zu Fuß gegangen und die Fahrrad-branche verzeichnet(e) höhere Umsätze, aber war das den Menschen zu wenig?

Vermittelt das „zu Fuß gehen“ ein Gefühl von eingesperrt sein?

Oder liegt es viel mehr daran, dass man sich nicht vor anderen präsentieren kann?

Ist das „um den Block gehen“ so old school im Vergleich zum Cappucino schlürfen mit Sonnenbrille in Timmendorf?

 

Wer war eingesperrt?

Es waren doch nur wenige Wochen Cafés und Restaurants geschlossen.

Oder saß einer unschuldig im Gefängnis?

 

 

„Immer mit Maske herumlaufen, da erstickt man ja.“

 

Mich fasziniert das Wort immer.

Wenn dieses Wort von einem Arzt, Chemiearbeiter usw. benutzt werden würde, dann verstünde ich das noch. Denn diese Berufsgruppenmüssen Masken bei der Arbeit tragen und zusätzlich noch sehr genau arbeiten. Mal am Menschen, mal mit (möglicherweise) gefährlichen Stoffen.

Aber einfach mal einen Mund-Nasen-Schutz benutzen, wenn man einkaufen geht, das ist für mich nicht „immer“. Ich gehe sogar soweit, dass ich einen Mund-Nasen-Schutz bei einer Erkältung tragen würde. Ich habe schon so oft widerliches Verhalten in den Geschäften von Kunden und im ÖPNV von Fahrgästen gesehen, dass man mal darüber nachdenken sollte.

 

Wieso fehlt es vielen Menschen am Respekt vor den anderen?

Vor dem Leben und der Gesundheit der anderen?

 

Wenn man entspannt atmet, ist eine Maske durchaus kein Hindernis. Man muss nur wollen und das nie den Respekt vor dem Leben der anderen verlieren.

Allerdings gibt es auch Jogger, die mit Maske durch den Wald laufen.

Irgendwas stimmt da nicht mit den Menschen – oder?

 

Für mich ist die Maske schon die neue Normalität. Allerdings nicht im Wald und nicht als permanentes Sabberlätzchen.

 

 

Deutschland muss dafür sorgen, dass ich in Freiheit leben kann. Auf meine Gesundheit kann ich selber aufpassen.“

 

Als ich diese Aussage gelesen habe, musste ich wirklich schlucken. Mir fielen gleich einige Fragen ein:

Was oder wer ist Deutschland?

Was ist Freiheit?

Wo steht das geschrieben?

Haben Personen, die solche Aussagen treffen, jemals gewählt?

 

Ich habe mich dann an den Amtseid erinnert, den jeder Bundeskanzler leisten muss, wenn er sein Amt antritt. Der Amtseid in Artikel 56 des Grundgesetzes lautet:

 

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

 

Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden, die Kanzlerin verzichtete allerdings nicht darauf. (Deutscher Bundestag, 2018)

 

Der Begriff der Freiheit wurde hier nicht explizit erwähnt.

Allerdings soll Schaden vom deutschen Volk abgewendet werden. Also Schutz der Gesundheit im Falle einer Pandemie, eines Krieges, einer Naturkatastrophe usw.

Das setzt m. E. allerdings voraus, dass Bevölkerung erkennt, wenn die Situation „etwas kritischer“ als sonst ist. Und es setzt eine gewisse Intelligenz, der gesunden Bevölkerung, gepaart mit logischem Denken, voraus.

 

Natürlich sollte jeder schon mal das Grundgesetz gelesen haben. Auch wäre etwas Wissen darüber angebracht, wie in anderen Ländern regiert wird (z. B. China, Nordkorea). Und jeder sollte daran denken, dass Regierungsformen auch verändert werden können.

 

Nichts ist für die Ewigkeit.

Nur der Tod.

 

 

„Im Urlaub will ich frei sein.“

 

Ich vielen Punkten ist diese Aussage mit der vorherigen identisch. Auch wenn die Grenzen jetzt zu vielen Ländern wieder offen sind, werden diese offenen Türen auch gern von Viren benutzt.

Ich verstehe, dass Menschen in den Urlaub fahren möchten. Ich würde auch lieber weniger nachdenken und einfach mal irgendwo hinfahren, aber ich mache es nicht.

Ich kenne viele Menschen, die waren noch nie oder sehr selten in ihrem Leben im Urlaub. Für sie ist es normal, zu Hause zu bleiben. Und die leben gut und glücklich.

 

 

„Ich bin jung, ich bekomme Corona schon nicht."

 

Diese Aussage wurde mittlerweile widerlegt. Corona macht vor keinem Menschen halt.

Jeder Mensch kann ein Überbringer von Corona sein. Also heute Party machen, cornern, chillen und so weiter und morgen Oma im Altenheim oder zu Hause besuchen. Ich denke, dass viele da ihren Verwandten ein ganz besonderes Geschenk mitbringen. Und besonders die, die gerade aus dem Urlaub kommen.

 

Auch treten die Symptome nicht immer bei allen Infizierten gleich stark auf. Manche haben gar keine Anzeichen von Corona, obwohl sie es haben. Ansteckend ist man als junger Mensch trotzdem. Dieses Verhalten ist nach meiner Einstellung mindestens mit fahrlässiger Körperverletzung (evtl. mit Todesfolge) im Strafrecht gleichzusetzen.

 

 

Meine ganz persönlichen Gedanken, Überlegungen, Beobachtungen …

  • Die Ungeduld vieler Menschen ist erschreckend gefährlich.
  • Die egoistische Spaßgesellschaft – Spaß haben, wie vor Corona ... Corona ist immer noch da! 
  • Die Rücksichtslosigkeit der Maskenverweigerer, der Nichtabstandhalter, … kann tödlich enden
  • Die Kommunikation - so viele Experten (Ärzte), die ihr Corona-Halbwissen verbreiten. Z. B. sagte ein Arzt in der Corona Hochzeit, dass man sich im Fahrstuhl nicht anstecken könnte – später wurden dann die Aerosole bekannt. Wie fahrlässig! Es gab bisher ja auch keinen Erkältungen …  Tipp an die Medien: Einfach mal abwarten und qualifizierte Experten suchen.
  • Die fehlende differenzierte Wortwahl (Mundschutz statt Mund-Nasen-Schutz) - ist das Gleichgültigkeit?
  • Das Verständnis dafür, dass Corona kein Spiel ist. Und man es somit auch nicht mal eben ausstellen (Urlaub) kann.

Wir haben keinen Freifahrtschein, dass unser Leben (wie vor Corona) immer so weiter gehen wird. Corona ist ein Virus, der uns erreicht(e). Es werden bestimmt noch viele andere Viren kommen. Wenn wir einen Virus nicht kennen, woher wissen wir dann, woran ein Mensch gestorben ist?

Wir leben in einer Welt, in der auch bei uns ein Krieg ausbrechen kann. Ich habe das Gefühl, dass sich viele Menschen zu sehr auf ihr Smart Phone und Ihre Apps verlassen und das logische und überlebenswichtige Verhalten sowie den gesunden Menschenverstand, abgegeben haben. Das kann m. E. sehr gefährlich werden.

Vielleicht liegt es daran, dass die meisten von uns keinen Krieg oder andere Katastrophen mehr erlebt haben. Das Wissen, das viele Menschen haben, die heute 90 und älter sind, geht leider verloren.

 

Eine ältere Dame sagte vor einiger Zeit zu mir, wie sehr sie sich über das erste Brot aus hellem Mehl freute, das sie nach sechs Jahren Krieg, Leid, Verzicht und Tod genießen durfte. Sie hatte dabei Freudentränen in den Augen.

 

Wer war eingesperrt?

Wer musste auf was verzichten?

Wer bekam (bekommt) keine Luft unter der Maske?

 

Wir leben in einer Demokratie.

Ob das aber immer so bleibt - dafür würde ich nicht die Hand ins Feuer legen.

 

 

Anmerkung:

Es wurde aus Gründen der Einfachheit, nur der Begriff Corona (statt COVID-19, SARS-CoV-2) verwendet.

 

 

Quellen:

Deutscher Bundestag. (2018). Dokumente. Merkel als Bundeskanzlerin vereidigt. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw11-de-kanzlerwahl-vereidigung-546766 (12.07.2020)

WHO. (2020). Pandemie der Coronavirus-Krankheit (COVID-19).

https://www.euro.who.int/de/health-topics/health-emergencies/coronavirus-covid-19/novel-coronavirus-2019-ncov (12.07.2020)