Schmunzelnde Veränderungen

In letzter Zeit sehe und/oder höre ich im Fernsehen, Internet, Radio, auf der Straße ... Dinge und Aussagen von jungen Leuten, die mich zum Schmunzeln bringen.

 

Da ist zum Beispiel die junge Frau, die im Fernsehen Apfelkuchen backt. Sie und der Moderator der Sendung wirken bei der Info, dass Zitronensaft die Äpfel nicht braun werden lässt, so euphorisch wie ein Forscher, der gerade den Nobelpreis erhalten hat.

 

Oder eine weitere Beobachtung: Ich war im Sommer auf einem Erdbeerfeld, dort erklärte eine Großmutter ihren Teenie-Enkelinnen, wie sie Erdbeeren zu pflücken hätten. Und dass diese immer von allen Seiten rot sein müssten. Ich war sprachlos und steckte mir eine rote Erdbeere in den Mund.

 

Wahrscheinlich gibt's bald auch einen Bachelor-Studiengang in Erdbeerpflücken, denn eine Ausbildung in der Landwirtschaft mit möglichem Meisterabschluss, ist doch nichts wert - oder?

 

Was für uns "Älteren" früher normal war und heute noch ist, ist mitunter für die Jüngeren ein Forschungsprojekt.

 

Ist dir auch schon aufgefallen, dass kaum einer noch nach dem Weg fragt? Das Smart-Phone hilft immer.

 

Mir ist bewusst, dass die Zeiten sich verändert und verappt haben, aber so manche Geschehnisse finde ich schon lustig, teilweise allerdings auch beängstigend. 

Ich habe mir deshalb mal überlegt, den Jüngeren einen Brief zu schreiben. Um Kosten zu sparen (es sind ja doch einige Millionen), verzichte ich allerdings auf den Umschlag und das Porto und wähle statt der Post das Internet. Ich bin aber auch eine komische Halbalte ...

 

Wer von euch auch leicht Angegrauten Lust hat, kann ja meine Briefvorschlag mal lesen.

 

Und jetzt geht's los:

 

Liebe Jüngere,

 

früher gab es viele junge Mädchen und Frauen, die Hauswirtschaft gelernt haben. Nee, nicht wie ihr

vielleicht jetzt denkt, das hat nichts mit Immobilien zu tun. Es ging um Kochen, Backen, Haushalts-führung und so weiter. Das gehörte einfach für viele dazu und war eine sehr wichtige Ausbildung, um später einen eigenen Haushalt zu führen oder als qualifizierte Fachkraft in einem anderen Haushalt zu arbeiten.

Nein, solche Mädelsschulen möchte ich auch nicht mehr. Aber so ein paar Stunden im Halbjahr, in denen alle Schüler (d/m/w) ein paar Infos über Lebensmittel, deren Zubereitung, Nutzung, Lagerung, Anbau, Ökobilanz und auch Wertschätzung gelehrt bekommen, wären schon sinnvoll.

 

Ich und alle anderen Schüler (Jungen und Mädchen) in meiner Schule, hatten in den 80zigern einmal in der Woche solchen Unterricht. Es war immer super witzig und gegessen wurde das zubereitete Essen natürlich von uns allen. Geblieben ist aus dieser Zeit, dass ich dieses Wissen immer noch ohne Probleme abrufen kann.

 

Übrigens, zum Abrufen braucht ihr nicht euer Smartphone, sondern euren Kopf. Das ist der Bereich des Körpers, der ideal als Speichermedium genutzt werden kann. Viele von euch Jüngeren nutzen ihn allerdings zusätzlich auch häufig als mobilen Ständer für Kopfhörer. Manche auch nur ausschließlich als Ständer. Leider.

Ihr könnt euch immer noch nicht richtig vorstellen, was dort gelehrt wurde? Etwas was Google nicht

weiß?

 

O. k. ich gebe euch ein Beispiel:

Fast jeder von meinen Mitschülern (d/m/w) weiß bis heute. dass man mit Zitronensaft Bananen

und Äpfel daran hindert, braun zu werden.

Würdest du auf die Idee kommen, danach bei Google zu suchen?

Ach sorry, ich vergaß, dass Äpfel heute teilweise so gezüchtet werden, dass sie nicht so schnell braun

werden. Das haben die Züchter echt gut gemacht. Ihr könnt so wischen, tippen und alle 10 Minuten mal ein Stück von dem Apfel abbeißen.

Eigentlich super praktisch, die neuen Züchtungen. 

 

Habt ihr schon mal bei euren Nachbarn geklingelt und gefragt, ob er weiß, wie euer tropfender Wasserhahn repariert werden könnte?

Klingeln bedeutet, dass man direkt an die Tür eines anderen Lebewesens geht und dort auf den

Klingelknopf drückt. Drücken nicht wischen. Und jetzt Vorsicht, es könnte ein Mensch aufmachen und mit euch sprechen. So richtig persönlich. Sozusagen lebendiges Liken oder eine lebende App. Aber wahrscheinlich kann er euch nicht helfen, weil er ja nach seinem Abitur irgendeinen Bachelor gemacht hat und handwerklich zwei linke Hände hat. Ach so, linke Hände hat nichts mit Politik zu tun. Das bedeutet, dass man keine Fähigkeiten hat, mit den Händen zu arbeiten, ungeschickt ist.

 

Aber jetzt weiter zu dem tropfenden Wasserhahn und wie es früher war...

Euer Nachbar öffnete die Tür und ging mit euch in eure Wohnung. Nein, kein metoo. Er war gelernter Handwerker, vielleicht sogar Handwerksmeister. Übrigens, Handwerksmeister werden einem Masterabschluss gleichgesetzt. Der Wasserhahn war in wenigen Minuten repariert. Krass – oder?

 

Heute müsst ihr einen Handwerker suchen oder kennt ihr einen in der Nachbarschaft? Oh Mist, ich

vergaß schon wieder, dazu muss man ja rausgehen und frei sprechen ... oder studiert ihr etwa Kommunikationswissenschaften? Dann will ich mal nichts sagen.

 

In den Acht- und Neunzigern hat bei meiner Mutter und später auch bei mir, schon mal ein/e NachbarIn geklingelt und hat um 1 Pfund Mehl, ein Ei oder sonst einer Backzutat gefragt. Und wir hatten immer die Zutaten parat.

Höre ich da jemanden fragen, was ein Pfund wäre?

Ein Pfund ist ein halbes Kilo oder anders ausgedrückt: 0,5 kg = 1 Pfund oder 500 g = 1 Pfund.

Jaja, ich weiß, euer Smart-Phone sagt euch sofort den Umrechnungsfaktor.

Kaum vorstellbar für euch ist vielleicht, dass es ein Leben vor den Backmischungen gab und das war durchaus sehr lebenswert. Viele hatten immer Mehl, Zucker, Eier, Salz und so weiter im Haus. Fragt mal eure Großeltern. O. k. Eier benötigt man heute häufig zum Backen nicht mehr. Und das ist gut so. 

 

Wie habt ihr oder eure Eltern im März eingekauft? Habt ihr Mehl gehamstert? Und war Toilettenpapier zu ergattern, das Tagesziel?

So ein wenig vorausschauend einkaufen, kann gerade in der Erkältungs-, Grippe- und auch Coronazeit schon von Vorteil sein. So verappt nur die Produkte für ein Rezept einzukaufen, kann schon gefährlich werden, wenn euch irgendein "Ich komm nicht von der Toilette Virus" erreicht. 

 

Früher war nicht alles besser, nur manche Dinge waren anders. Vielleicht auch logischer, menschlicher und persönlicher.  Wenn in einem Zimmer z. B. schlechte Luft war, dann öffnete man das Fenster. Einfach so, ohne eine App dafür zu haben. Die Menschen hatten früher echt ein wahnsinniges Allgemeinwissen ...

 

Also bleibt gesund, verliert nie den Humor und nutzt euren Körper. Er hat sooooo viel zu bieten.

 

Gabriela