Mit mir nicht!

Ich weiß nicht, wie viele Tage mir im Leben noch bleiben, an denen mit mir „normal“ gesprochen und diskutiert wird. Helmut Schmidt (ehem. Bundeskanzler) hatte Glück, er war bis ins hohe Alter z. B. ein

angesehener Gesprächspartner im Fernsehen.

Bei einigen älteren Menschen ist das nach meinem Empfinden nicht so.

Und das regt mich auf.

 

Ich frage mich, warum mit älteren Menschen gern mal ein wenig „merkwürdig“ gesprochen und so eine „besondere Art“ im Umgang mit ihnen an den Tag gelegt wird?

 

Nur weil sie nicht mehr im Berufsleben stehen, die Haut nicht mehr ganz aalglatt ist und die Haare manchmal im stylischen weißgrau leuchten, ist das doch kein Hinweis darauf, dass hinter der Stirn auch alles anders aussieht als bei jüngeren Menschen. 

 

Es gibt eine große Anzahl von Personen, die die 70 überschritten haben und noch sehr aktiv sind. 

Und was bedeutet schon 70 Jahre?

Ich muss bis zum 67. Lebensjahr arbeiten. Und ich möchte nicht, dass mit mir kurz danach so „besonders“ gesprochen und umgegangen wird..

 

Ein paar Beispiele, die ich aufgeschnappt habe und von denen ich hoffe, dass ich sie so nie erfahren muss:

„Wie alt sind Sie?“

„70.“

„Ich finde das toll, dass Sie sich noch trauen, was Neues anzufangen.“

Kurze Wiederholung: 70 ist 3 Jahre nach Renteneintritt! 

Wenn der Befragte (d/m/w) mit folgender Gegenfrage antworten würde:

"Soll ich etwa schon mal in der Holzkiste probeliegen?"

Mal sehen, wie da der Moderator (d/m/w) dumm aus der Wäsche schauen würde.

 

„Was sagen Ihre Kinder dazu, wenn Sie jetzt noch einmal durchstarten.“

Ich fände es super, wenn Eltern nicht nur in vollen Wartezimmern sitzen, sondern das Leben in vollen Zügen (natürlich nur im übertragenen Sinn) genießen würden. Und als Kind muss man gar nichts dazu sagen. Oder habe ich da was übersehen?

 

Häufig stelle ich fest, dass die Stimmlage bei den Jüngeren, etwas höher als sonst ist.

 

Die überwiegende Anzahl der Senioren ist geistig top fit, wenn sie das Rentenalter erreichen. Und es ist völlig egal, ob sie noch in einer eigenen Wohnung, Haus oder in einem Alten-, Senioren- oder Pflegeheimen leben.

Sie engagieren sich ehrenamtlich, lernen Sprachen, betreiben Sport, lieben es über politische Themen zu diskutieren und manche werden vielleicht auch noch Präsident der USA oder werden nochmals Vater.

 

Die Generation, die jetzt in den Ruhestand geht oder gerade gegangen ist, ist mit den Beatles, Elvis und den Stones erwachsen geworden.

Ich frage mich, ob diese sich in den Heimen wohlfühlen, wo „der Mai gekommen ist und die Bäume ausschlagen“.

Satisfaction sieht anders aus.

 

Übrigens – Paul McCartney ist 78 und Mick Jagger ist 77!

 

Wenn ich irgendwann mal ins Heim ziehe oder ziehen muss/sollte, dann hoffe ich, dass die Pfleger (d/m/w) wissen, dass die Neue Deutsche Welle nichts mit einem Friseurbesuch zu tun hat.

Auch habe ich keine Sprachstörung oder Schlaganfall, wenn ich Da Da Da und ABBA sage.

 

Das möchte ich hier schon mal festlegen!